Richard Nordhausen

Richard Nordhausen

rotetinktur130.jpg

Die rote Tinktur, eine kuriose Geschichte

 Welch ein Held für meine erhitzte Fantasie war dieser Schotte Alexander Setonius, der Gegenstand des Preisausschreibens, der hochberühmte, mittelalterliche Chemiker! Wie hatte ich mich in das Leben des seltsamen Mannes vertieft, der, lügen nicht alle Sachverständigen, haben sich hundert hochachtbare, vornehme Männer, Kaiser, Reichsfürsten und Kardinäle darunter, nicht zu einem ebenso gemeinen wie sinnlosen Betrug der Nachwelt verschworen, tatsächlich im Besitz der großen Kunst gewesen ist, unedle Metalle durch Tingierung mit einem alchemistischen Pulver in Feingold zu verwandeln Kaiser Rudolf II. nahm 1604 mit seiner Tinktur eine Projektion auf Blei vor, die überraschend gelang; noch hundert Jahre später, anno 1717, ließ Landgraf Ernst Ludwig von Hessen aus dem Gold, das er mit Setonischer Tinktur hergestellt hatte, mehrere Hundert Dukaten prägen. Bis in den Kerker, wo man ihn mit Schrauben und glühendem Eisen zwingen wollte, sein Geheimnis zu verraten, ein Geheimnis, dessen Wunderkraft er in der Freiheit überall aufs verschwenderischste gezeigt hatte, das er aber unter den grausigsten Foltern standhaft für sich behielt; bis zu seinem Tode, der bald nachher, eine Folge jener unaussprechlich furchtbaren Martern, eintrat, hatte ich ihn treulich begleitet.

amazon_kindle_button_1.png

 

Template © by cms2day